(Teil 1) „Wenn das Grübeln zur Belastung wird“

Vor geraumer Zeit habe ich mir das Buch „Kopfzerbrechen“ von dem Psychotherapeuten „Olle Wadström“ gekauft und es aufmerksam gelesen. Da mir in depressiven Episoden ein Grübelzwang vertraut ist, spricht mich die verhaltenstherapeutische Methode an. Im Alltag jedoch, kann das Grübeln ebenfalls zur Belastung werden. Der unnötigen Grübelei soll anhand dieses Buches Einhalt geboten werden. Ich möchte lernen dem vorzubeugen und es auch Ihnen, dem LeserInnen näher bringen. Es stellt eine Variante der Auseinandersetzung dar. Hier also der erste Teil meiner Ausarbeitung.

Was ist Grübeln:

Wenn wir grübeln, machen wir uns Gedanken. Sich Gedanken zu machen stellt eine Form des Verhaltens dar.

  • Kognitives Verhalten (nicht unmittelbar von außen erkennbar) – sich Gedanken machen
  • Motorisches Verhalten (äußerlich wahrnehmbar) – alles was mit unserem Körper zu tun hat
  • Autonomes Verhalten (ist nicht kontrollierbar) – was in unserem Körper vonstattengeht, bspw. Schlagen unseres Herzens, ein Schweißausbruch

Klassischerweise ist Grübeln eine Art innerer Dialog, eine innere Debatte, bei der man in Gedanken abwägt, welche Möglichkeiten man hat, um etwas zu beeinflussen, zu verändern, vorauszusehen, zu verstehen oder sich auf etwas vorzubereiten. Mitunter ist die Thematik, über die man grübelt, weder in Gedanken noch in der Praxis zu lösen.

Grübeln stellt kein singuläres Verhalten dar, sondern ist eine Reihung mehrerer Aktivitäten; man spricht auch vom Gedankenstrom. Es reihen sich verschiedene Gedanken aneinander.

Wann grübeln wir:

Viele Menschen machen sich Gedanken und grübeln über die Dinge die bereits geschehen sind und die man im Nachhinein klarer sehen will, selbst wenn eine solche Klarheit objektiv nicht realisierbar ist. Wir grübeln im Zusammenhang mit Situationen, in denen wir die Wahl haben oder einen Beschluss fassen müssen – Entscheidungsangst. Wir verspüren ein gänzlich unnötiges Unbehagen, das uns vor Gedanken warnt, die in Wahrheit gar keine Gefahren sind.

Gedanken als Auslöser für Angst und Trost:

Die Gedanken, die wir uns beim Grübeln machen, haben zwei unterschiedliche Funktionen.

Typ 1 macht uns nervös, verunsichert uns oder schlägt uns aufs Gemüt, fungiert insofern als „Aufrüttler“ oder „Trigger“.

Typ 2 fungiert als „Beruhiger“, „Rückversicherer“ oder „Tröster“. Daher wird Letzterer auch als eine Form von Sicherheitsverhalten betrachtet.

Gedanken die eine Sicherheitsfunktion einnehmen und Unsicherheiten, Ungewissheiten, Besorgnisse, Unbehagen und Zweifel ausräumen sollen, werden im Umkehrschluss beruhigende Gedanken oder Trostgedanken genannt.

Beunruhigende Gedanken können in unterschiedlichsten Gewändern auftreten und jedwedes Thema berühren. Sie beunruhigen, indem sie uns erschrecken, nervös machen. Furcht einflößen, irritieren, provozieren, verwirren, verunsichern, und sie können dazu führen, dass wir uns zutiefst verletzt, beleidigt oder gekränkt fühlen.

Hier ein paar Beispiele für beunruhigende Gedanken:

Katastrophierende Gedanken:

  • Was, wenn ich die Prüfung nicht bestehe

Gedanken des Zweifels und der Unsicherheit:

  • Vielleicht liebt er mich nicht mehr?

Existenzielle Fragen:

  • Gibt es einen Sinn im Leben?

Selbstanklage:

  • Hat er wirklich begriffen, was ich ihm sagen sollte?

Vergleichsgedanken (und Eifersuchtsgedanken):

  • Immer kriegen die anderen was Besseres und ich das Schlechteste

Trostgedanken:

Typ 2 – der Trostgedanke

Er ist dem beunruhigenden Gedanken komplementär entgegengesetzt. Er vertreibt vorübergehend das unangenehme Gefühl. Anstatt zu verschrecken verhelfen Trostgedanken zu Erklärungen, zu Auswegen, Gegenmaßnahmen, Schutz vor Gefahren, zur überzeugenden Argumenten oder Möglichkeiten, um ein Problem zu beheben. Trostgedanken sind äußerlich nicht wahrnehmbare Sicherheitsmaßnahmen, die vorübergehend für Wohlergehen und ein beruhigendes Gefühl sorgen.

Quelle: Wadström, Olle; 2018; Kopfzerbrechen; 2. Auflage; Paderborn

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