(Teil 4) „Wenn das Grübeln zur Belastung wird“

Trostgedanken identifizieren

Es ist gewiss leichter, seine beunruhigenden und angstbesetzten Gedanken zu identifizieren, als dies bei Trostgedanken der Fall ist. Beunruhigende Gedanken erkennt man schließlich daran, dass sie Unbehagen hervorrufen, während die Wirksamkeit von Trostgedanken – die Sorgen zu lindern – weniger klar wahrnehmbar ist. Trostgedanken treten in unterschiedlichster Form auf. Was sie jedoch alle gemein haben, ist ihre Funktion als Sicherheitsmaßnahme – in Gestalt von Flucht oder Vermeidung der Angst und Unsicherheit.

Beispiele für Trostgedanken

– Logisch gegenargumentierende Gedanken, wie etwa Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit.

– „Gesichtsklitterung“: „Was, wenn ich dies und jenes getan hätte?“ , oder: „Warum habe ich nicht…?“

– Rachegedanken: kreisen um Rache, Wiedergutmachung oder die Hoffnung, jemandem zu schaden.

– Wunschdenken: Genau wie Tagträume trösten sie, indem sie einem vorgaukeln, dass alles gut würde, wenn nur dies und jenes einträfe.

– Erklärende Gedanken versuchen, die Frage nach dem Warum zu beantworten. Sie macht man sich um Zweifel und Unsicherheiten auszuräumen.

Spontanes Ende des Grübelns

Mit dem Grübeln kann urplötzlich Schluss sein, ohne das der Grübler aktiv etwas unternimmt. In einem solchen Fall hat die Person, ganz ohne sich dessen bewusst zu sein, die Trostgedanken spontan eingestellt. Für gewöhnlich geschieht dies, wenn man des Grübelns derart überdrüssig wird, dass man die Umstände von ganz allein hinnimmt und seine Situation akzeptiert, wenn man aufgibt.

Entscheidend ist hier, dass man nicht versucht hat, den Inhalt seiner beunruhigen Gedanken zu verändern, sondern dass man sie als solche anerkennt, ganz gleich, wie unangenehm sie sein mögen. Erst wenn man den Versuch einstellt, die beunruhigenden Gedanken zu bekämpfen, kann die Gegenkonditionierung einsetzen, und die konditionierten Angstgedanken verlieren ihren Schrecken.

Vorbedingungen differenzieren

Gewisse äußere Umstände beeinflussen die Triebkraft eines Verstärkers und somit die Motivation zu einem bestimmten Verhalten. Abhängig von gewissen Umständen oder Vorbedingungen kann die Bereitschaft für ein bestimmtes Verhalten steigen. Hinsichtlich des Grübelns ist Angst eine solche Vorbedingung. Je stärker die Angst während des Grübelns vorhanden ist, umso kraftvoller wird die Verstärkung durch die Trostgedanken und desto schwerer fällt es, mit dem Grübeln aufzuhören. Wenn Angst – als Vorbedingung – aber gar nicht erst vorhanden wäre, würden die Trostgedanken die Hinwendung zu beunruhigen Gedanken auch nicht verstärken, und eine vorübergehende Erleichterung der Angst fände erst gar nicht statt. Grübeln, das in Abwesenheit von Angst geschieht, kann schlicht und ergreifend als Problemlösung bezeichnet werden.

Abgesehen von der Sympatikusreaktion können aber auch noch andere Umstände Trostgedanken zu umso kraftvolleren Verstärkern machen. Die Motivation zu grübeln kann beispielsweise durch gewisse Überzeugungen, eine Weltanschauung oder Hintergrundinformationen gesteigert werden, die die Funktion der Vorbedingung einnehmen.

Verändernswerte Gedanken

Ein Gedanke, eine Fehlinformation oder Fehlinterpretation kann als Vorbedingung fungieren, wenn sie mittels logischer Herleitung dazu beiträgt, vor etwas Ungefährlichem Angst zu entwickeln. Fehlinformationen an sich können keine beunruhigenden Gedanken heraufbeschwören und insofern auch nicht selbst zu beunruhigenden Gedanken werden. Allerdings tragen sie dazu bei, dass Sicherheitsbedürfnis zu schützen. Derlei Fehlinterpretationen können und müssen korrigiert werden.

Wenn aber eine Vorstelllung direkt oder aus sich heraus beunruhigende Gedanken wachruft oder Angst heraufbeschwört – als bedingter Reiz – , darf man sie auf keinen Umständen korrigieren, ganz gleich, wie unangenehm sie sein mag. Das Resultat wird ein Trostgedanke sein und umgehendes Grübeln.

Beispiele für den Unterschied zwischen Vorbedingungen und Angst auslösenden Gedanken:

1. Vorbedingungen (Fehlinformationen, die korrigiert werden müssen)

2. Angst auslösende Gedanken (bedingte Reize; hier ist statt der Korrektur eine Exposition angeraten)

1. Aids überträgt sich durch die Luft.

2. Unter Garantie ist die Luft infektiös, nachdem hier so viele Leute unterwegs sind, die …

1. Von Karotten kriegt man Krebs.

2. Bestimmt habe ich Krebs, weil ich mein ganzes Leben lang so viele Karotten gegessen habe.

1. Männer mit blauen Augen sind untreuer als Männer mit braunen Augen.

2. Mein Mann ist mir bestimmt untreu.

Dies ist ein Versuch neue Vorbedingungen zu etablieren. Die Trostgedanken sollen nicht mehr annähernd so verlockend sein wie zuvor, vor allem das Aushalten des Unbehagens soll verstärkt werden. Es soll letztendlich eine Abkehr von Trostgedanken verstärken, auch wenn dies zur Folge haben mag, dass die Angst zunächst ansteigt.

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