(Teil 2) „Wenn das Grübeln zur Belastung wird“

Der Motor des Grübelns

Verstärkung

Aus der Verhaltensforschung und -analyse ist bekannt, dass bewusst kontrollierbares Verhalten durch Verstärker gefördert wird.

Als Verstärker dient alles, was als positive oder angenehme Folge einer Handlung empfunden wird und somit einen Anreiz für die Fortdauer der Handlung schafft. Der Verstärkereffekt tritt stets nach der Handlung ein, die gefördert werden soll.

Oder anders:

S—————-R—————K
Starter/Auslöser Reaktion/Handlung (angenehme) Konsequenz/Verstärker

Die angenehme Konsequenz (K) verleitet dazu, die Handlung erneut auszuführen, d.h. die Reaktion (R) zu verstärken. Die Verstärkung (K) erhöht Mal ums Mal die Wahrscheinlichkeit, dass die Handlung (R) wiederholt wird. Wenn beispielsweise ein Kind seilspringt (R) und Spaß dabei hat (K), wird das Kind umso häufiger seilspringen. Das Verhalten „Seilspringen“ wird verstärkt.

Das Premack Prinzip

Die Verhaltensweise, die vom selbststärkenden Verhalten abgelöst wird, wird folglich ebenfalls verstärkt, fortgeführt und wiederholt. Dieses Phänomen ist unter dem Namen „Premack Prinzip“ bekannt.

Ein Beispiel dazu: Pelle muss erst sein Zimmer aufräumen, bevor er Fußball spielen darf. Mit der Zeit räumt er zusehends gern sein Zimmer auf, weil das Fußballspiel das Aufräumen verstärkt hat:

Verhaltensweise Verstärkung
S————— R————— K
Zimmer aufräumen Fußball spielen

Auf die gleiche Art und Weise verstärkt ein beruhigender, tröstlicher Gedanke einen vorangegangenen beunruhigenden Gedanken. Das bevorzugte Verhalten verstärkt somit das weniger bevorzugte Verhalten.

S—————- R—————- K
beunruhigenden Gedanken nachhängen(beruhigenden) Trostgedanken nachhängen

Wenn Pelle beunruhigenden, unangenehmen Gedanken nachhängt (R) und sich unmittelbar danach (beruhigenden) Trostgedanken (K) widmet, wird der ursprüngliche beunruhigende Gedanke (R) verstärkt. Die Handlung „Trostgedanken nachhängen“ (K) fungiert gemäß Premack als Verstärker des beunruhigenden Gedankens (R).

Wir wollen zwar keine quälenden Gedanken haben doch auf die tröstlichen, beruhigenden Gedanken wollen wir nicht verzichten. Wir kommen nicht über unsere beruhigenden Gedanken hinweg. Um auch nur den Hauch von Sicherheit zu empfinden, den uns ein Trostgedanke beschert, müssen wir erst durch ein tiefes Tal gehen. Trostgedanken verstärken die beunruhigenden Gedanken und die Startimpulse/Auslöser. Dabei spielt es keine Rolle, dass die beunruhigenden Gedanken an sich unbehaglich und mitunter quälend sind. Die Verstärkung fördert sie in Häufigkeit und Variation.

Die Verhaltenskette

Ein Beispiel:

Sie sitzen in ihrem Büro und chatten, schreiben ihre Nachricht und schicken sie ab (R1). Die Antwort, die sie erhalten, fungiert als Verstärker (K1) wie auch als Startimpuls (S2) und bedeutet ihnen zurückzuschreiben (R2). Die nächste Antwort (K2) wird wiederum zum Signal (S2), erneut zurückzuschreiben usw.

Grübeln ist eine Aneinanderreihung oder Kette mehrerer Gedanken. Das Grübeln besteht aus beunruhigenden Gedanken (R) einerseits und Trostgedanken (K) andererseits. Trostgedanken sind sowohl Verstärker der beunruhigenden Gedanken als auch Startimpulse (S), die den nächsten beunruhigenden Gedanken (R2) auslösen. Von den Trostgedanken (K) wird das Grübeln angetrieben.

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