Neues Ehrenamt bei der Bahnhofsmission

Mein Ehrenamt im Seniorenheim habe ich im April beenden müssen. Es gab einen Konflikt, welchen ich nicht unbedingt im Detail mitteilen möchte. Ich kann nur sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe, um den Bedürfnissen der Alten gerecht zu werden. Und ich bin der festen Überzeugung, dass dies auch so wahrgenommen wurde. Es waren nicht meine Klienten, die ein Problem mit mir hatten, sondern der Pflegedienstleiter. Seiner Meinung nach, ging mein Engagement über ein Ehrenamt hinaus. Für diesen Vorwurf gab es einen Schlüsselmoment, als ich mich um eine Bewohnerin besonders kümmerte und eine Not sah, die dem Personal in dem Maße nicht auffiel.

Ich denke, dass es im Endeffekt nicht erwünscht war, ihnen die eventuell fehlende Aufmerksamkeit bewusst zu machen. Es ist außerdem leicht, sich von einer ehrenamtliche Mitarbeiterin zu verabschieden, weil in diesem Fall kein Arbeitsschutzgesetz greift. Im Gespräch mit der Heimleiterin und dem Pflegedienstleiter verhielt ich mich diplomatisch und verständnisvoll. Ich glaube, dass dieses Verhalten Stärke ausstrahlte und ich mich nicht, wie vielleicht angenommen rechtfertigte. Ich ließ es einfach geschehen und empfand tatsächlich weder Wut noch Ärger sondern viel mehr Gleichmut.

Für meine Zukunft im Ehrenamt war ich mir nun sicher, den Einsatzbereich Pflegeheim zu verlassen, um mich neu zu orientieren. Über die Ehrenamtsplattform wurde ich glücklicherweise schnell fündig, denn dort wurden die möglichen Einsatzbereiche in Dresden aufgeführt. Und so wurde ich auf die Bahnhofsmission Dresden aufmerksam. Ich rief umgehend an und wurde zur Probearbeit eingeladen. Ich sollte 3 Probetage ablegen um alles kennenzulernen um zu schauen, ob man auch wirklich geeignet ist und es sich selbst zutraut. Von Seiten meines Vorgesetzten durfte ich im Juni meine Arbeit aufnehmen.

Die Bahnhofsmission besteht hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern und zwei Hauptamtlichen wovon einer ein Sozialpädagoge ist. Sie widmet sich Menschen, die sich in unterschiedlichen Notsituationen befinden, darunter fällt auch die Unterstützung Reisender.

Meine Aufgabe ist es, Getränke wie Kaffee, Tee oder Wasser an die Leute auszugeben und ihnen, wenn es Lebensmittelspenden gab, Brote mitzugeben. Diese werden von uns belegt und in Brottüten verpackt. Mir ist es besonders wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und mich in ihre Lage einzufühlen. Das gelingt mir wohl auch recht gut. Wenn ich deren Vertrauen gewonnen habe, kommt es anschließend immer wieder zu einem offenen Gespräch. Ich finde den Austausch sehr interessant und man weiß schließlich nie genau, was in seinem Dienst geschehen wird.

Eine weitere Aufgabe ist es die Reisenden am Gleis zu unterstützen. Wir sind dafür immer zu zweit unterwegs. Ich arbeite entweder in der Früh- oder Spätschicht, jeweils für 4,5 Stunden. Diese Arbeitszeiten kann ich sehr gut bewältigen, ohne danach großartig gestresst zu sein.

Für mich ist es eine große Motivation, dass wir Kollegen uns auf Augenhöhe begegnen und für das Wohl der Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Es sind private Gespräche möglich, um sich besser kennenzulernen. Ich habe dadurch auch schon liebenswerte Bekanntschaften geschlossen.

Ich sehe auch, dass meine Arbeitsweise wirklich geschätzt wird und meine Fähigkeiten erkannt werden.

Es gibt noch viel dazuzulernen, weil mir das Arbeitsfeld neu ist. Ich bin wissbegierig und freue mich, mit der Zeit einen geschärften Einblick zu erhalten.

Ohne den vermeintlichen Konflikt im vergangenen Ehrenamt hätte ich mich sicher nicht so schnell für eine andere Tätigkeit entschieden. Die Entscheidung wurde mir quasi abgenommen und ich bin sehr dankbar, dass ich dadurch so mutig war, einen neuen Weg einzuschlagen.